Dresdner Linke bremst Entwicklung der Leipziger Vorstadt

Standard

Die gestrige Stadtratssitzung wurde mit Spannung erwartet. Endlich sollte es im Fall der großflächigen Ansiedlung des Globus-Marktes auf dem Areal des Alten Leipziger Bahnhofs zu einer wegweisenden Entscheidung kommen. Die Ortsbeiräte Neustadt und Pieschen hatten sich bereits mit großer Mehrheit gegen das Großprojekt ausgesprochen. Die Grünen und die SPD forderten folgerichtig in einem Antrag, den Aufstellungsbeschluss zum Bau des Großprojektes endlich aufzuheben. Das hätte das Aus des Projektes an diesem Standort bedeutet.

Leider hat nun die mehrheitliche Enthaltung der Linken dazu geführt, dass der Antrag abgelehnt wurde und es auf absehbare Zukunft keine zukunftsorientierte Lösung für das so wichtige Areal in der Leipziger Vorstadt geben wird. Wir sind nun mehr als enttäuscht, dass der Stadtrat es versäumt hat, die Entwicklung des Gebiets in vernünftige Bahnen, wie beispielweise Wohnungsbau zu lenken. Das Unverständnis gegenüber dem Abstimmungsergebnis der Linken, die ja genau mit diesem Thema die letzten Kommunalwahlen dominiert haben, ist deshalb äußerst groß.

„Mit diesem bislang unerklärbaren politischen Auftreten stiehlt sich die Linke aus der Verantwortung“, so Uwe Sochor, Gründer der Allianz für Dresden. „Die Enthaltung der Linken kommt einer Befürwortung der Expansion großflächigen Handels gleich. Damit vertreten sie in keiner Weise die Interessen des Mittelstandes, sondern begünstigen ein Projekt, das sowohl den kleinen und mittleren Handel als auch eine nachhaltige Entwicklung eines wertvollen, zentralen Stadtteils, der Leipziger Vorstadt, zerstört. Zunächst einmal hat das Abstimmungsergebnis aber vor allem eines gebracht: zähen Stillstand.“

Auch Dr. Martin Schulte-Wisserman, Stadtrat der Piratenpartei, äußert sich irritiert über die Enthaltung der Linken: „Das linke Wahlprogramm spricht sich gegen die Ansiedlung solcher Großprojekte wie Globus aus und steht für nachhaltige Politik sowie für die Schaffung neuen Wohnraums. Das Abstimmungsergebnis im Fall Globus spiegelt das linke Wahlprogramm in keiner Weise wider.“ Nicht nur ihm, sondern auch vielen anderen Dresdnern ist schleierhaft, wie dieser Stimmungsumschwung der Linkspartei innerhalb von nur zwei Jahren zustande kommt. So war man 2014 noch mehrheitlich auf der Seite von SPD und BündnisGrünen in der Ablehnung dieses „Monsterbaus“, und jetzt wird plötzlich der Schulterschluss mit CDU/FDP/AfD geübt.

Nun muss die Stadtverwaltung weiter für den Globus-Markt planen. Eine konfuse Situation, denn auf der anderen Seite wurde beschlossen, dass die Stadt einen Alternativstandort für Globus suchen soll. Jetzt muss also in beide Richtungen geplant werden – eine Verschwendung von Zeit und Geld, die dazu führt, dass das Potenzial der Leipziger Vorstadt und des Areals weiterhin brach liegen wird. „Wir werden uns aber allen Merkwürdigkeiten zum Trotz weiterhin für eine sinnvolle Nutzung stark machen und hoffen, dass sich auch die Linksfraktion irgendwann mal wieder an die Koalitionsvereinbarung von Rot-Rot-Grün gebunden fühlt und auch dementsprechend handelt“, so Sochor.

Advertisements

Ortsbeiräte Neustadt und Pieschen fordern Aus für Globus-B-Plan

Standard

Klares Votum für endgültiges Aus der Globus-Pläne am Alten Leipziger Bahnhof: Die Ortsbeiräte von Neustadt und Pieschen haben in ihren jüngsten Sitzungen die Vorlage zur Ersatzflächensuche für ein Globus-Warenhaus um einen entscheidenden Punkt ergänzt. Beide Gremien stimmten mehrheitlich dafür, dass die Aufhebung des Globus-Bebauungsplanes auch Bestandteil des Beschlusses werden soll. Zwar bleibt abzuwarten, wie letztlich der Stadtrat darüber befindet, gleichwohl ist dies ein starkes Zeichen der beiden Stadtteile rund um den Alten Leipziger Bahnhof für eine kleinteilige Entwicklung des historischen Bahngeländes.

Wir begrüßen das Votum der Ortsbeiräte ausdrücklich und fordern vom Dresdner Stadtrat, in dieser Sache endlich Farbe zu bekennen und die völlig überdimensionierten und stadtunverträglichen Globus-Pläne mit einem Aufhebungsbeschluss endgültig zu stoppen.

„Man kann nicht aus stadtplanerischen Gründen nach einer Ersatzfläche suchen, ohne gleichzeitig die weiteren Planungen für das riesenhafte Projekt in der Leipziger Vorstadt zu stoppen. Es darf keine Hintertür für Globus mit Rückfahrkarte zum Alten Leipziger Bahnhof geben“, bekräftigt Johannes Eickerling von der Planungs- und Sanierungsgesellschaft mbH Dresden-Pieschen, selbst Stadtplaner und Mitglied in der Allianz für Dresden. „Daher ist die Entscheidung der Ortsbeiräte nur folgerichtig. Wer einen lebendigen und lebenswerten Stadtteil statt eines riesigen Einkaufstempels mit vorgelagerter Parkplatzwüste schaffen möchte, der muss die Globus-Pläne für den Alten Leipziger Bahnhof ein für allemal ins Aus befördern.“

Dass es für den Alten Leipziger Bahnhof bessere Nutzungs- und Modernisierungsideen gibt, haben Architekten mit entsprechenden Untersuchungen und ersten Planungen bereits gezeigt. Neben Maximilian Kunze in seiner prämierten Diplomarbeit hat auch Jörg Möser vom Pirnaer Büro Milde & Möser erste durchaus konkrete Pläne und Ideen dazu entwickelt. „Es wird Zeit, dass die Entwicklung der Leipziger Vorstadt auf das richtige Gleis kommt. Auch die Linke im Stadtrat muss hier ihre nicht nachvollziehbaren Sympathien für den Riesenmarkt aufgeben und einem Aufhebungsbeschluss endlich zustimmen“, so Eikerling.

Ist der Bebauungsplan erst einmal aufgehoben, kann die Entwicklung der Leipziger Vorstadt wieder Schwung bekommen. „Ich bin mir sicher, dass dann das ganze Thema Masterplan ganz schnell abgehandelt wird und die Stadt gemeinsam mit den Grundstückseigentümern das Areal neu ordnen kann. Die gute innenstadtnahe Lage ist schließlich ideal für einen ganzen Strauß verschiedener Nutzungen. Ein lebendiger neuer Stadtteil könnte entstehen“, so Eikerling. „Für Globus bleibt die Aufgabe, sein Großflächenkonzept auf ein Dresden verträgliches Maß herunterzukochen, um so eine deutlich realistischere Chance auf eine Ansiedlung zu erhalten. Für die Ersatzflächensuche nun die Stadtverwaltung einzuspannen, ist dennoch etwas keck“, so der Stadtplaner.