Mehr Wohnraum? Fehlanzeige!

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Baubürgermeister Jörn Marx (CDU) kommt mehr und mehr ins Schlingern. Im Sommerinterview der DNN gibt er weder eine Antwort auf die Frage, warum sein Wohnkonzept im Stadtrat durchfiel, noch wie Dresden mit der Wohnungsknappheit umgehen will. Hier heißt es nur: „Wir reagieren auf diesen Bevölkerungszuwachs mit unserem Flächennutzungsplan.“ Doch genau das tut Marx eben nicht! Die Änderung des bestehenden Flächennutzungsplanes für das Gebiet Alter Leipziger Bahnhof steht in den Startlöchern. Die vorher geplante Wohn- und Gewerbenutzung soll nun in eine Sonderbaufläche für großflächigen Einzelhandel umgeschrieben werden. Konkret heißt das: Riesen-Globus statt Wohnungen.

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Im Interview äußert sich Marx zudem kritisch bezüglich eines Wohngebietes auf dem Areal: „Eine Wohnbebauung schätze ich dort schwierig ein, zumal dort die Hochgleise der Bahn liegen.“ Mit dieser Aussage ignoriert Marx nicht nur seinen eigenen, 2009 beschlossenen „Masterplan Leipziger Vorstadt“, sondern auch ein von Marx unterschriebenes Ergebnisprotokoll aus dem Jahr 2010. Hier spricht sich das Stadtplanungsamt eindeutig für den Bau von Wohnungen in diesem Areal aus und bemerkt, dass die Größe der angedachten Handelseinrichtungen – sprich: Globus – den Rahmen des Einzugsbereichs der anliegenden Ortsteilzentren sprenge. Ganz am Rande: Wer schon einmal auf dem Areal des Alten Leipziger Bahnhofs war, wird erstaunt sein über die ruhige und idyllische Lage. Das Marxsche Bild eines Gebietes mit permanenten und lautem Durchgangsverkehr ist schlichtweg falsch.

Die Wahl hat es deutlich gezeigt: Die Dresdner wünschen sich ausreichend und bezahlbaren Wohnraum. Jörn Marx hat anscheinend andere Pläne…

Der verwirrte Herr Marx

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1,5 Quadratmeter. Das ist der Durchschnitt an Verkaufsfläche, die jedem Deutschen zur Verfügung steht. In Dresden sind es inzwischen 1,7 Quadratmeter. Das Problem: Ein Großteil dieser Fläche wird von riesigen Einkaufsmalls (Altmarktgalerie, Elbpark, etc.) belegt – kleinere, individuelle Geschäfte in den Ortsteilzentren sind in der Minderheit und werden verdrängt. Nun soll sich auch noch das Globus-Warenhaus mit einer Verkaufsfläche von weit über 8.000 Quadratmetern am Alten Leipziger Bahnhof ansiedeln.

Die Gründe für die immense Kritik an diesem Projekt wurzeln aber nicht nur – wie von vielen angenommen – in der drohenden Konkurrenz für die umliegenden Händler. Auch aus Sicht der Stadtplanung wäre Globus ein Fiasko. Für das Gebiet Leipziger Vorstadt war nämlich die „Entwicklung eines Images und Labels für eine unverwechselbare, neue Adresse Dresdens“ geplant. So steht es im – von Jörn Marx (Baubürgermeister, CDU) unterschriebenen – Ergebnisprotokoll „Runder Tisch Leipziger Vorstadt-Nord“ von 2010, das der Allianz für Dresden vorliegt. Jörn Marx hatte bei jenem Treffen am 3. Dezember 2010 im World Trade Center die Leitung inne. Auch Globus-Projektentwickler Enrico Wilde nahm an der Gesprächsrunde teil. Laut Protokoll einigte man sich auf folgende (einander bedingende) Punkte:

  • Masterplan als Ziel und städtebauliches Grundgerüst (-> Masterplan L. V. = Mischung aus Wohnungen, Büros, kleinteiligem Gewerbe, Globus-Plan = Widerspruch)
  • Bestätigung eines Nutzungsspektrums von Wohnen, Kultur, Gewerbe und Einzelhandel unter Berücksichtigung des Zentrenkonzeptes (= Beschluss, neue Einzelhandelsvorhaben nur noch in Ortsteilzentren und in Innenstadt zu realisieren, Globus-Plan = Widerspruch) der Landeshauptstadt Dresden und der Maßstäblichkeit der geplanten Handelseinrichtungen

Die 2009 einstimmig vom Stadtrat beschlossene „Idee“ am Alten Leipziger Bahnhof eine Mischung aus Wohnen und kleineren Geschäften zu etablieren, wurde 2010 auch vorn Jörn Marx befürwortet. Umso überraschender kommt nun aktuell die Aussage von Jörn Marx im Interview mit dem Fernsehsender Dresdeneins (http://www.dresdeneins.tv/nachrichten/Dresdens_neue_Maerkte-2295.html). Hier sagt er:

„Ok, das (Areal Alter Leipziger Bahnhof, A.d.V.) ist ein zentraler Ort. Wir haben dort eine Brache letztendlich, die bisher überhaupt nicht angedacht war, so weiterzuentwickeln. Wir haben auch keine Ideen für eine weitere Nutzung dort gehabt und dann hatten wir einen Investor – Globus- der hier gesagt hat: ‚Ok, wir können uns das vorstellen, in diesem Bereich (…) einen Discounter unterzubringen, einen Vollsortimenter, (…)‘.“

Wir geben zu: Der Streit um das Globus-Projekt zieht sich schon seit längerer Zeit hin (siehe dazu auch http://www.dresdeneins.tv/Nachrichten_Archiv/Streit_um_GlobusMarkt-1593.html). Aber ein derartiger Gedächtnisverlust sollte einem Baubürgermeister dennoch nicht unterlaufen. Oder wollen Sie den Dresdnern gezielt Infos vorenthalten, Herr Marx?