Halbherzige Wintersicherung am Alten Leipziger Bahnhof: Kein Notdach für historischen Lokschuppen

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Die historischen Gemäuer des Alten Leipziger Bahnhofes können von über 150 Jahren Eisenbahngeschichte erzählen und stehen größtenteils unter Denkmalschutz. Der Eigentümer, die Globus Warenhaus Holding, hatte zwar Ende August letzten Jahres ein Notdach über dem alten Empfangsgebäude des historischen Bahnhofs angebracht, aber trotz Ankündigung die denkmalgeschützten Gemäuer von Dresdens vermutlich ältestem Lokschuppen (Baujahr 1847) nicht eingehaust. Gerade jetzt, wo im Winter Frostperioden drohen, bleibt der Lokschuppen weiterhin ungeschützt. Dabei ist die Absicherung des Erhalts des denkmalgeschützten Gebäudes dringlich und eine gesetzliche Verpflichtung des Grundstückseigentümers.

Der Alte Leipziger Bahnhof war der erste Bahnhof der Stadt und Ausgangspunkt von Deutschlands allererster Ferneisenbahnverbindung. Bereits im Jahr 1839 fuhren hier die ersten Züge ab auf ihrem Weg nach Leipzig. Einst einer der ersten Treffpunkte für Sachsens Eisenbahnpioniere, heute verwaist und dem Verfall preisgegeben. Wir fordern nun angesichts des Winterwetters die vollständige Notüberdachung der alten Bahnhofsgebäude. „Der Bau des Notdaches über dem Empfangsgebäude des Alten Leipziger Bahnhofes war ein Schritt in die richtige Richtung, doch hört der Schutz der eisenbahngeschichtlich so bedeutsamen Gebäude damit nicht auf. Es ist höchste Zeit, den historische Lokschuppen, auch wenn von ihm nur noch die Außenmauern stehen, ebenfalls einzuhausen, schließlich hatte Globus dies im August versprochen“, bekräftigt Johannes Eikerling von der Planungs- und Sanierungsträgergesellschaft Dresden Pieschen mbH und Mitglied der Allianz für Dresden. „Es ist völlig unverständlich, warum dies im Zuge der Notdacharbeiten im August nicht gleich mit erledigt wurde.“

Bereits im Januar 2017 mahnten wir Schutzdächer für die historischen Gebäude des Alten Leipziger Bahnhofes an. Als sich daraufhin nichts tat und seitens der Stadt sogar behauptet wurde, Globus sei nicht verpflichtet, Sicherungen vorzunehmen, intervenierten wir im März 2017 beim Amt für Denkmalschutz der Stadt Dresden mit einer Rechtsexpertise. Ende August schließlich ließ Globus bekanntermaßen doch Schutzdächer errichten. Aber eben nicht für den Lokschuppen. Das historische Gebäude von 1847 besitzt kein Dach mehr und deswegen nagt die Witterung an den alten Gemäuern besonders unbarmherzig. Laut Sächsischem Denkmalschutzgesetz ist Globus als Eigentümer gesetzlich zum Schutz des Kulturdenkmales verpflichtet. Das Gesetz stellt klar, dass Besitzer und Eigentümer von Kulturdenkmalen diese „pfleglich zu behandeln“ und die alten Gebäude und Gemäuer „im Rahmen des Zumutbaren denkmalgerecht zu erhalten und vor Gefährdung zu schützen“ haben.

„Deshalb fordern wir Globus dazu auf, nun endlich auch den Lokschuppen des Alten Leipziger Bahnhofes einzuhausen, und zwar so schnell wie möglich. Schließlich sind besonders im Frühjahr durch das ständige Frieren und Schmelzen der Feuchtigkeit in den Rissen der Gemäuer Frostsprengungen unausweichlich, die zu großen Schäden führen können“ so Eikerling abschließend.

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