Über 400 neue Wohnungen wenn Globus klein bleibt

Standard

Es tut sich was in der Leipziger Vorstadt. Während derzeit über den neuen Masterplan für den Stadtteil diskutiert wird, werden die Vorhaben zweier großer Grundstückseigentümer konkret. Einer dieser Eigentümer ist die Procom Invest GmbH & Co KG aus Hamburg, der ein etwa 40.000 m2 großes Grundstück zwischen dem Alten Schlachthof und Alten Leipziger Bahnhof gehört. Wir haben mit Timm Brennecke, Assistent der Procom-Geschäftsführung, über die Zukunft des Areals und Viertels gesprochen. 

  1. Sie haben ein großes Grundstück gleich neben dem Alten Schlachthof in der Leipziger Vorstadt. Was genau plant die Procom auf diesem Grundstück?

Wir brauchen den Dresdnerinnen und Dresdnern nicht lange die Vorzüge Ihrer Leipziger Vorstadt erklären. Deswegen in aller Kürze: Wir planen ein Wohnareal, welches sich in Art und Maß der Bebauung den örtlichen Gegebenheiten anpasst und sich an den Erfordernissen des Wohnungsmarktes orientiert. Das beinhaltet auch familiengerechte Wohnformen.

  1. Wie konkret sind die Planungen und wann könnte Baubeginn sein für das neue Wohnareal?

Eine konkrete Planung, die unsere Einschätzung einer angemessenen Bebauung widerspiegelt, liegt vor. Allerdings wird an dieser Idee nur weitergearbeitet werden können, wenn das Globus-Bauvorhaben durch einen Aufhebungsbeschluss des Stadtrates zu den Akten gelegt wird.

Als traditionsreiches Familienunternehmen sind wir schnell handlungsfähig, was wir in einer Vielzahl von Projekten regelmäßig beweisen. Gerne auch in Dresden.

  1. Oft wird behauptet, niemand würde direkt neben einer Konzertlocation wie dem Alten Schlachthof wohnen wollen. Wie sehen Sie das?

Das Thema muss man doch differenzierter betrachten, meinen Sie nicht? Zuerst einmal kann festgehalten werden, dass eine mögliche Lärmproblematik nur einen kleinen Teil des Areals betrifft. Immerhin hat unser Grundstück eine Gesamtfläche von ca. 40.000 m2. Dass in Nachbarschaft zum Alten Schlachthof in Hinblick auf gesunde Wohn- und Lebensverhältnisse andere Maßnahmen im passiven Lärmschutz ergriffen werden müssen, ist selbstverständlich. Darüber braucht es keinerlei Diskussion. Es gibt aber darüber hinaus auch planerische Gestaltungsmöglichkeiten, die Nutzung auf dem Alten Schlachthof mit einem lebendigen Wohnareal in Einklang zu bringen.

Und: Wenn Ihre Leser und Sie Hamburg, unsere Heimatstadt, kennen, waren Sie vielleicht auch schon einmal im beliebten Schanzenviertel. Hier herrscht buntes, geselliges Treiben und es ist gewiss nicht leise. Trotz oder gerade wegen der kulturellen Infrastruktur ist das Viertel auch als Wohnstandort mittlerweile sehr beliebt. Beispiele wie dieses finden Sie doch in nahezu allen Städten.

Wir sehen somit den Alten Schlachthof nicht als Störquelle, sondern vielmehr als Teil einer urbanen Lebenskultur, für die die Leipziger Vorstadt auch steht.

Wohnen LeipzigerVorstadt-2-Foto Medienkontor

  1. Groß debattiert wird ja das Globus-Vorhaben am Alten Leipziger Bahnhof mit 12.000 m2 Verkaufsfläche. Wie steht die Procom zu diesen Plänen?

Das Vorhaben von Globus steht der Entstehung von Wohnraum auf unserem Grundstück klar entgegen. Der zu- und abfahrende Verkehr einer Stellplatzanlage für über 1.000 PKW ist enorm, hinzu kommt der Anlieferverkehr. An unserer Position hat sich also nichts geändert.

Das heißt: Mit der vorgestellten Variante 2 wird es auf unserem Grundstück keine Wohnungen geben.

  1. Stadtplanungsamtschef Szuggat gibt die Zahl möglicher Wohnungen im Areal zwischen Leipziger Straße und Bahntrasse – wenn Globus nicht kommt – mit 500 an. Ist diese Zahl zu kurz gegriffen und falls ja warum?

Die Anzahl von 500 Wohnungen für das gesamte Plangebiet ist aus unserer Sicht deutlich zu kurz gegriffen. Schaut man sich einmal die Leipziger Vorstadt an, fällt schnell auf, dass es sich um einen urbanen, städtebaulich recht hochverdichteten Raum mit einer überwiegenden Blockrandbebauung handelt. Das Potenzial unseres Grundstücks für den Wohnungsmarkt lässt sich leicht überschlägig an einem Beispiel errechnen: Bei einer angenommenen überbauten Grundstücksfläche von lediglich 30 % und vier Vollgeschossen errechnet sich alleine für unser Grundstück ein Potenzial von 500 Wohnungen. Aus diesem Grund ist die Zahl tatsächlich zu kurz gegriffen.

  1. Die Stadt möchte nach dem überarbeiteten Masterplan viele Grünflächen in der Leipziger Vorstadt realisieren. Wie sehen sie das als Investor?

Grünflächen gehören natürlich zu einem lebenswerten Wohnumfeld, auch in einem urbanen Stadtteil. Von daher steht dies unserer Interessenslage per se nicht entgegen. Allerdings muss das Maß überdacht werden. Das Grünflächendefizit des Stadtteils lässt sich schließlich nicht allein auf einem Grundstück ausgleichen, zumal dies kein öffentlich zugänglicher Park o.ä. wäre. Der Nutzen für die Bewohner der Leipziger Neustadt ist aus unserer Sicht daher fraglich. Der gestiftete Nutzen durch eine Quartiersaufwertung mit zusätzlichem bezahlbarem Wohnraum dürfte für die Allgemeinheit deutlich gewichtiger sein.

  1. Wie sehen Sie die Zukunft der Leipziger Vorstadt? Weist der überarbeitete Masterplan da in die richtige Richtung (wenn ja welche Variante) und kann er alle Interessen unter einen Hut bringen?

Die Leipziger Vorstadt bietet Vieles, was einen guten Wohnstandort im innerstädtischen Raum ausmacht. Die Wege sind kurz, die Anbindung an den ÖPNV ist hervorragend und die nahegelegene Elbe bietet einen hohen Naherholungswert. Die Chancen, dass die Leipziger Vorstadt im Bereich des Masterplangebiets aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt wird, stehen also grundsätzlich gut. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass auch die Interessenslagen der Eigentümer hinreichend Berücksichtigung finden. Das ist mit dem momentanen Planungsstand bei keiner Variante aus unserer Sicht zufriedenstellend gelöst. Ein wichtiges Signal als Startschuss für die Weiterentwicklung des Plangebiets ist zudem erst einmal der von vielen Seiten erwarte Aufhebungsbeschluss für die aktuelle Globus-Planung, mit dem die Variante 02 des Masterplanes obsolet werden würde.

Zusammengefasst: Wird später baurechtlich keine wirtschaftliche Entwicklung der Grundstücke möglich, so unbefriedigend es für alle Beteiligten klingen mag, wird der Masterplan nur eine Wunschvorstellung mit vielen guten Ansätzen bleiben. Dies gilt es nun von allen Seiten konstruktiv zu verhindern.

 

Das Interview führte Edwin Seifert (Allianz für Dresden)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s