Lesen Sie eigentlich Stadtratsbeschlüsse, Herr Szuggat?

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Gelände Alter Leipziger Bahnhof
Die Beschlusslage ist mehr als eindeutig. Am 16. April beauftragte der Stadtrat die Stadtverwaltung mit der Überarbeitung des Masterplanes Leipziger Vorstadt und setzte dabei einen klaren Rahmen: Großflächiger Einzelhandel von über 800 m² Verkaufsfläche oder 1.200 m² Geschossfläche, so der Beschluss, sind im Masterplangebiet ausgeschlossen. Nun überrascht allerdings der Amtsleiter des Stadtplanungsamtes Stefan Szuggat mit ersten Plänen des überarbeiteten Masterplanes, in denen, zumindest in einer Variante, das hoch umstrittene Globus-Vorhaben am Alten Leipziger Bahnhof enthalten ist. Die Allianz für Dresden kritisiert diese Variante scharf und fordert Baubürgermeister Schmidt-Lamontain auf, seinen Amtsleiter schnellstmöglich auf den Boden der geltenden Beschlusslage zurückzuführen.

Wie aus gut unterrichteten Kreisen zu erfahren war, bekamen Anfang Oktober die Grundstückseigentümer der Leipziger Vorstadt Post vom Stadtplanungsamt. Amtsleiter Stefan Szuggat unterrichtete die Eigentümer zum aktuellen Stand der Überarbeitung des Planungsleitbildes für die Leipziger Vorstadt, den berühmten Masterplan. Danach entwickelten die Stadtplaner für die sogenannte Leitidee des Gebietes zwei Varianten. Eine davon beinhaltet das von zahlreichen Experten und Gutachtern kritisierte Einzelhandelsgroßprojekt am Alten Leipziger Bahnhof der Globus SB-Warenhaus Holding. Die Pläne verwundern umso mehr, hatte der Stadtrat doch kein halbes Jahr zuvor unmissverständlich Einzelhandelsprojekte dieser Dimension in der Leipziger Vorstadt kategorisch ausgeschlossen.

„Dass das Bebauungsplanverfahren für das riesige Globus-Vorhaben mit insgesamt rund 12.000 Quadratmetern Verkaufsfläche trotz über 370 Einwendungen und Stadtratsbeschluss noch immer weiterläuft, ist schon Anachronismus genug“, kommentiert Jens Heinrich Zander, stadtbekannter Architekt und Mitglied der Allianz für Dresden. „Dass nun aber das Stadtplanungsamt trotz eindeutiger Beschlusslage munter für das völlig überflüssige Groß-Shopping-Projekt weiterplant, ist schon bemerkenswert.“

Hier ist nun Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain gefragt. „Wir fordern den Baubürgermeister dazu auf, die Masterplan-Variante mit Globus unverzüglich einzustampfen“, so Zander. „Dieser Plan widerspricht nicht nur dem Beschluss des Stadtrates, sondern er ist zudem städtebaulich höchst unvernünftig und stadtunverträglich. Außerdem verhindert ein Shopping-Projekt dieser Größe qualitativen Wohnungsbau im gesamten Masterplangebiet. Wer will schon neben einen Parkplatz mit über 1000 Parkplatzen und dem dadurch erzeugt enormen Verkehr wohnen?“ Zum wiederholten Male fordert die Allianz für Dresden in diesem Zusammenhang Stadtrat und Baubürgermeister dazu auf, endlich einen Aufhebungsbeschluss für das Projekt auf den Weg zu bringen. Schließlich sollten sich die städtischen Ämter nicht weiter sinnlos mit dem Vorhaben beschäftigen. Außerdem verdient das fragliche Stadtgebiet endlich eine städtebaulich vernünftige Entwicklung.

Etwas Positives gibt es zum Brief des Stadtplanungsamtes dann doch noch zu melden: Amtsleiter Szuggat will sich mit den Grundstückseigentümern zu einem Gespräch treffen und bittet um Rückmeldungen zu den neuen Masterplan-Plänen. Allerdings war die gesetzte Frist mit drei Wochen dann doch etwas arg knapp bemessen, wie zu erfahren war.

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