Der verwirrte Herr Marx

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1,5 Quadratmeter. Das ist der Durchschnitt an Verkaufsfläche, die jedem Deutschen zur Verfügung steht. In Dresden sind es inzwischen 1,7 Quadratmeter. Das Problem: Ein Großteil dieser Fläche wird von riesigen Einkaufsmalls (Altmarktgalerie, Elbpark, etc.) belegt – kleinere, individuelle Geschäfte in den Ortsteilzentren sind in der Minderheit und werden verdrängt. Nun soll sich auch noch das Globus-Warenhaus mit einer Verkaufsfläche von weit über 8.000 Quadratmetern am Alten Leipziger Bahnhof ansiedeln.

Die Gründe für die immense Kritik an diesem Projekt wurzeln aber nicht nur – wie von vielen angenommen – in der drohenden Konkurrenz für die umliegenden Händler. Auch aus Sicht der Stadtplanung wäre Globus ein Fiasko. Für das Gebiet Leipziger Vorstadt war nämlich die „Entwicklung eines Images und Labels für eine unverwechselbare, neue Adresse Dresdens“ geplant. So steht es im – von Jörn Marx (Baubürgermeister, CDU) unterschriebenen – Ergebnisprotokoll „Runder Tisch Leipziger Vorstadt-Nord“ von 2010, das der Allianz für Dresden vorliegt. Jörn Marx hatte bei jenem Treffen am 3. Dezember 2010 im World Trade Center die Leitung inne. Auch Globus-Projektentwickler Enrico Wilde nahm an der Gesprächsrunde teil. Laut Protokoll einigte man sich auf folgende (einander bedingende) Punkte:

  • Masterplan als Ziel und städtebauliches Grundgerüst (-> Masterplan L. V. = Mischung aus Wohnungen, Büros, kleinteiligem Gewerbe, Globus-Plan = Widerspruch)
  • Bestätigung eines Nutzungsspektrums von Wohnen, Kultur, Gewerbe und Einzelhandel unter Berücksichtigung des Zentrenkonzeptes (= Beschluss, neue Einzelhandelsvorhaben nur noch in Ortsteilzentren und in Innenstadt zu realisieren, Globus-Plan = Widerspruch) der Landeshauptstadt Dresden und der Maßstäblichkeit der geplanten Handelseinrichtungen

Die 2009 einstimmig vom Stadtrat beschlossene „Idee“ am Alten Leipziger Bahnhof eine Mischung aus Wohnen und kleineren Geschäften zu etablieren, wurde 2010 auch vorn Jörn Marx befürwortet. Umso überraschender kommt nun aktuell die Aussage von Jörn Marx im Interview mit dem Fernsehsender Dresdeneins (http://www.dresdeneins.tv/nachrichten/Dresdens_neue_Maerkte-2295.html). Hier sagt er:

„Ok, das (Areal Alter Leipziger Bahnhof, A.d.V.) ist ein zentraler Ort. Wir haben dort eine Brache letztendlich, die bisher überhaupt nicht angedacht war, so weiterzuentwickeln. Wir haben auch keine Ideen für eine weitere Nutzung dort gehabt und dann hatten wir einen Investor – Globus- der hier gesagt hat: ‚Ok, wir können uns das vorstellen, in diesem Bereich (…) einen Discounter unterzubringen, einen Vollsortimenter, (…)‘.“

Wir geben zu: Der Streit um das Globus-Projekt zieht sich schon seit längerer Zeit hin (siehe dazu auch http://www.dresdeneins.tv/Nachrichten_Archiv/Streit_um_GlobusMarkt-1593.html). Aber ein derartiger Gedächtnisverlust sollte einem Baubürgermeister dennoch nicht unterlaufen. Oder wollen Sie den Dresdnern gezielt Infos vorenthalten, Herr Marx?

Ein Gedanke zu “Der verwirrte Herr Marx

  1. Christian

    Es bzw. er ist ja noch viel verwirrter…

    Herr Marx hat in dem Artikel „Ladensterben in Cotta“ in der sz-online vom 26.02.2014 das Sterben der kleinen Händler damit begründet, dass sich immer mehr größere Anbieter auf zentrale Standorte konzentrieren und es dadurch für kleine Geschäfte kaum eine Überlebenschance gibt. Aus seiner sich gibt es kaum Möglichkeiten zum Gegensteuern für die Stadtverwaltung. Er sagt weiter: „Für die Entwicklungen im Handel sei allein die Privatwirtschaft verantwortlich. Lediglich durch das Aufstellen von Plänen und der Erteilung von Baugenehmigungen könne die Stadt eingreifen. Dies betreffe aber vor allem Einkaufzentren“

    In der Morgenpost vom 27.02.2014 wirbt der gleiche Herr Marx für genau so ein Einkaufzentrum, nämlich das Globus Vorhaben am Alten Leipziger Bahnhof. Der entstehende Wettbewerb sei ihm Recht. Kleine Händler seien nicht betroffen, aber wo ist der Unterschied zu Dresden Cotta? Dort war es nicht Globus sondern Kaufland oder Rewe.

    Dem Existenzbedrohten Händler wird es egal sein, wer an seiner Geschäftsaufgabe schuld ist. Aber Herr Marx kann den Anwohnern in Pieschen und der Neustadt ja nach dem sehr wahrscheinlich schleichenden Ladensterben ja auch wieder erzählen, dass daran allein die böse Privatwirtschaft Schuld war und hoffen dass alle Leser so ein schlechtes Gedächtnis haben wie er selbst…

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