Dresdner Linke bremst Entwicklung der Leipziger Vorstadt

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Die gestrige Stadtratssitzung wurde mit Spannung erwartet. Endlich sollte es im Fall der großflächigen Ansiedlung des Globus-Marktes auf dem Areal des Alten Leipziger Bahnhofs zu einer wegweisenden Entscheidung kommen. Die Ortsbeiräte Neustadt und Pieschen hatten sich bereits mit großer Mehrheit gegen das Großprojekt ausgesprochen. Die Grünen und die SPD forderten folgerichtig in einem Antrag, den Aufstellungsbeschluss zum Bau des Großprojektes endlich aufzuheben. Das hätte das Aus des Projektes an diesem Standort bedeutet.

Leider hat nun die mehrheitliche Enthaltung der Linken dazu geführt, dass der Antrag abgelehnt wurde und es auf absehbare Zukunft keine zukunftsorientierte Lösung für das so wichtige Areal in der Leipziger Vorstadt geben wird. Wir sind nun mehr als enttäuscht, dass der Stadtrat es versäumt hat, die Entwicklung des Gebiets in vernünftige Bahnen, wie beispielweise Wohnungsbau zu lenken. Das Unverständnis gegenüber dem Abstimmungsergebnis der Linken, die ja genau mit diesem Thema die letzten Kommunalwahlen dominiert haben, ist deshalb äußerst groß.

„Mit diesem bislang unerklärbaren politischen Auftreten stiehlt sich die Linke aus der Verantwortung“, so Uwe Sochor, Gründer der Allianz für Dresden. „Die Enthaltung der Linken kommt einer Befürwortung der Expansion großflächigen Handels gleich. Damit vertreten sie in keiner Weise die Interessen des Mittelstandes, sondern begünstigen ein Projekt, das sowohl den kleinen und mittleren Handel als auch eine nachhaltige Entwicklung eines wertvollen, zentralen Stadtteils, der Leipziger Vorstadt, zerstört. Zunächst einmal hat das Abstimmungsergebnis aber vor allem eines gebracht: zähen Stillstand.“

Auch Dr. Martin Schulte-Wisserman, Stadtrat der Piratenpartei, äußert sich irritiert über die Enthaltung der Linken: „Das linke Wahlprogramm spricht sich gegen die Ansiedlung solcher Großprojekte wie Globus aus und steht für nachhaltige Politik sowie für die Schaffung neuen Wohnraums. Das Abstimmungsergebnis im Fall Globus spiegelt das linke Wahlprogramm in keiner Weise wider.“ Nicht nur ihm, sondern auch vielen anderen Dresdnern ist schleierhaft, wie dieser Stimmungsumschwung der Linkspartei innerhalb von nur zwei Jahren zustande kommt. So war man 2014 noch mehrheitlich auf der Seite von SPD und BündnisGrünen in der Ablehnung dieses „Monsterbaus“, und jetzt wird plötzlich der Schulterschluss mit CDU/FDP/AfD geübt.

Nun muss die Stadtverwaltung weiter für den Globus-Markt planen. Eine konfuse Situation, denn auf der anderen Seite wurde beschlossen, dass die Stadt einen Alternativstandort für Globus suchen soll. Jetzt muss also in beide Richtungen geplant werden – eine Verschwendung von Zeit und Geld, die dazu führt, dass das Potenzial der Leipziger Vorstadt und des Areals weiterhin brach liegen wird. „Wir werden uns aber allen Merkwürdigkeiten zum Trotz weiterhin für eine sinnvolle Nutzung stark machen und hoffen, dass sich auch die Linksfraktion irgendwann mal wieder an die Koalitionsvereinbarung von Rot-Rot-Grün gebunden fühlt und auch dementsprechend handelt“, so Sochor.

Ortsbeiräte Neustadt und Pieschen fordern Aus für Globus-B-Plan

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Klares Votum für endgültiges Aus der Globus-Pläne am Alten Leipziger Bahnhof: Die Ortsbeiräte von Neustadt und Pieschen haben in ihren jüngsten Sitzungen die Vorlage zur Ersatzflächensuche für ein Globus-Warenhaus um einen entscheidenden Punkt ergänzt. Beide Gremien stimmten mehrheitlich dafür, dass die Aufhebung des Globus-Bebauungsplanes auch Bestandteil des Beschlusses werden soll. Zwar bleibt abzuwarten, wie letztlich der Stadtrat darüber befindet, gleichwohl ist dies ein starkes Zeichen der beiden Stadtteile rund um den Alten Leipziger Bahnhof für eine kleinteilige Entwicklung des historischen Bahngeländes.

Wir begrüßen das Votum der Ortsbeiräte ausdrücklich und fordern vom Dresdner Stadtrat, in dieser Sache endlich Farbe zu bekennen und die völlig überdimensionierten und stadtunverträglichen Globus-Pläne mit einem Aufhebungsbeschluss endgültig zu stoppen.

„Man kann nicht aus stadtplanerischen Gründen nach einer Ersatzfläche suchen, ohne gleichzeitig die weiteren Planungen für das riesenhafte Projekt in der Leipziger Vorstadt zu stoppen. Es darf keine Hintertür für Globus mit Rückfahrkarte zum Alten Leipziger Bahnhof geben“, bekräftigt Johannes Eickerling von der Planungs- und Sanierungsgesellschaft mbH Dresden-Pieschen, selbst Stadtplaner und Mitglied in der Allianz für Dresden. „Daher ist die Entscheidung der Ortsbeiräte nur folgerichtig. Wer einen lebendigen und lebenswerten Stadtteil statt eines riesigen Einkaufstempels mit vorgelagerter Parkplatzwüste schaffen möchte, der muss die Globus-Pläne für den Alten Leipziger Bahnhof ein für allemal ins Aus befördern.“

Dass es für den Alten Leipziger Bahnhof bessere Nutzungs- und Modernisierungsideen gibt, haben Architekten mit entsprechenden Untersuchungen und ersten Planungen bereits gezeigt. Neben Maximilian Kunze in seiner prämierten Diplomarbeit hat auch Jörg Möser vom Pirnaer Büro Milde & Möser erste durchaus konkrete Pläne und Ideen dazu entwickelt. „Es wird Zeit, dass die Entwicklung der Leipziger Vorstadt auf das richtige Gleis kommt. Auch die Linke im Stadtrat muss hier ihre nicht nachvollziehbaren Sympathien für den Riesenmarkt aufgeben und einem Aufhebungsbeschluss endlich zustimmen“, so Eikerling.

Ist der Bebauungsplan erst einmal aufgehoben, kann die Entwicklung der Leipziger Vorstadt wieder Schwung bekommen. „Ich bin mir sicher, dass dann das ganze Thema Masterplan ganz schnell abgehandelt wird und die Stadt gemeinsam mit den Grundstückseigentümern das Areal neu ordnen kann. Die gute innenstadtnahe Lage ist schließlich ideal für einen ganzen Strauß verschiedener Nutzungen. Ein lebendiger neuer Stadtteil könnte entstehen“, so Eikerling. „Für Globus bleibt die Aufgabe, sein Großflächenkonzept auf ein Dresden verträgliches Maß herunterzukochen, um so eine deutlich realistischere Chance auf eine Ansiedlung zu erhalten. Für die Ersatzflächensuche nun die Stadtverwaltung einzuspannen, ist dennoch etwas keck“, so der Stadtplaner.

Stadt soll Alternative für Globus suchen

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Endlich kommt wieder Bewegung in den Fall Globus. Die Stadtratskooperation aus LINKE, SPD, Grünen und Piraten hat einen Antrag an die Stadtverwaltung formuliert, in dem sie die Stadt dazu auffordert für das Handelsunternehmen Globus eine Alternativfläche zu finden (mehr dazu in der DNN: ). Das wäre ein großer Erfolg für die Zukunft der Leipziger Vorstadt!

Doch eines ist auch klar: Ein stadtverträgliches Grundstück zu finden, das den Anforderungen von Globus genügt, wird eine Herausforderung! Außerdem ist es jetzt an der Zeit noch einen Schritt weiterzugehen:

„Bei aller Suche nach Alternativstandorten wäre es gleichzeitig für den Stadtrat an der Zeit, das verfehlte Großvorhaben am Alten Leipziger Bahnhof per Aufhebungsbeschluss zu beerdigen“, so Diego Schwarz, Leiter des Dresdner Kreisverbandes beim Bundesverband Mittelständische Wirtschaft (BVMW). „Das wäre konsequentes politisches Handeln. Das Zögern von der Rot-Grün-Rot in dieser Frage ist nicht nachvollziehbar. Die Ideen des Pirnaer Architekten Jörg Möser und die prämierte Diplomarbeit von Maximilian Kunze sind realistische Konzepte und gehen respektvoll mit dem historischen Bahnhof um. Käme der Aufhebungsbeschluss, könnten diese Entwürfe zeitnah durch einen neuen Eigentümer umgesetzt werden.“

 

Alter Leipziger Bahnhof – Chance für ein urbanes Wohnquartier

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Teil 1 unserer Serie: „Zukunft für den Alten Leipziger Bahnhof“

Die Pläne des Großinvestors Globus zum Bau eines großen Einkaufstempels auf dem Areal Leipziger Bahnhof sind alternativlos? Von wegen! Wir haben verschiedene Akteure interviewt und stellen die Entwürfe und eine realistische Einschätzung zur Umsetzung in unserer Serie „Zukunft für den Alten Leipziger Bahnhof“ vor.

Türöffner für die Serie ist der 28-jährige Dresdner Architektur-Diplomand Maximilian Kunze, der im vergangenen Jahr seine Abschlussarbeit „Alter Leipziger Bahnhof / Dresden“ an der Architekturfakultät der TU Dresden fertiggestellt und dafür den Kurt-Beyer-Preis der TU Dresden und den Konrad-Wachsmann-Preis vom Bund Deutscher Architekten verliehen bekommen hat.

Herr Kunze, warum haben Sie gerade das Areal des Alten Leipziger Bahnhofs als Thema für Ihre Diplomarbeit gewählt? Was macht das Areal so besonders?

Nachdem ich von einem Auslandsaufenthalt in der Schweiz zurück nach Dresden kam, um mein Diplom zu absolvieren, wurde mir wieder bewusst, wie wichtig mir die architektonischen Themen meiner Heimat sind. Dresden ist eine Stadt in der man unwahrscheinlich viel über Architektur und deren Zusammenhang mit dem jeweiligen gesellschaftlichen und politischen Kontext erfahren kann. Auf Grund der geschichtlichen Entwicklung Dresdens (Residenzstadt, Zerstörung, Wende) lassen sich viele gebaute Haltungen und deren Einfluss auf die Stadt erleben. Jetzt ist die Diskussion über architektonische Themen in Dresden eine sehr lebendige, auch wenn sie zwischen zwei extrem gegensätzlichen Lager ein wenig verhärtet scheint. Die Universität selbst wäre als „sauerstoffzuführendes Organ“ dazwischen eigentlich gut geeignet, entzieht sich aber weitestgehend ihrer Rolle als Impulsgeberin. Darum habe ich mich für einen Ort in Dresden als Bestandteil meiner Diplomarbeit entschieden. Auf der Suche nach einem spezifischen Thema stellte sich heraus, dass der mittlerweile ungenutzte Alte Leipziger Bahnhof als geschichtsträchtiger Ort, gut angebunden mitten in der Stadt liegend, ein enormes Potential aufweist.

Im ersten Schritt Ihrer Diplomarbeit haben sie das Gelände des Alten Leipziger Bahnhofs nach den drei Aspekten untersucht: Geschichtliche Entwicklung („Zeit“), bestehende Gebäude und ihre Lage zueinander („Struktur“) und „Atmosphäre“. Wie empfinden Sie persönlich die Atmosphäre auf dem Gelände?

Nach mehreren Expeditionen ins Innere des Areals, zahlreichen belichteten Filmen, gezeichneten Strichen und gesichteten Akten konnte ich mir ein relativ umfassendes Bild des Ortes machen. Das spannende ist, dass es zwar unzählige Umbauten und Veränderungen auf dem Bahnhof gab, diese sich aber immer nach der Struktur des aufgefächerten Gleisfeldes richten mussten. Somit ergibt sich ein Fußabdruck auf dem Gelände, dem jetzt selbst die rückerobernde Natur folgt. Obwohl die Schienen fehlen, bohren die Pflanzen nur mühsam ihre Wurzeln durch die Grauwacke und die ehemaligen Gleisverläufe schaffen wunderbare Blickbeziehungen zwischen den Türmen der Altstadt und der Pieschener Vorstadt. Die Abschottung des Geländes durch den Bahndamm und die unwirtliche Leipziger Straße lässt das Gebiet wie eine Insel am Rande des Zentrums erscheinen. Betritt man die Lichtung hinter den Güterschuppen, befindet man sich in einer eigenen Welt. Hinzu kommen die kleinen Objekte und Gegenstände, welche von der ehemaligen Nutzung als Bahnhof zeugen, sowie andere Fundsachen, die von den jüngsten Aneignungen des Geländes durch Jugendliche, die Wagenburg oder die Blaue Fabrik berichten. Kurzum ist das Gelände des Alten Leipziger Bahnhofes durch seine Geschichte, Bebauung und Atmosphäre ein eigenständiger Ort im heterogenen Gefüge der Leipziger Vorstadt und dementsprechend sollte mit ihm anders umgegangen werden als die stadtplanerische Praxis aus den Lehrbüchern dies vorsieht.

Welche Nutzungsmöglichkeiten ergeben sich nach Ihrer Einschätzung?

In meiner Arbeit habe ich herauszufinden versucht, was mit dem Bahnhof passiert, wenn seine Tore geöffnet und er zu einem öffentlichen Ort erklärt werden würde. Welche Art von Stadt kann sich hier entwickeln? In den umliegenden Stadtquartieren (Neustadt, Hecht, Pieschen) steigen die Mieten, günstiger und gleichzeitig qualitativer Wohnraum ist knapp. Um dem entgegenzuwirken, soll in der Diplomarbeit eine Idee entwickelt werden, wie ein neues, durchmischtes Stadtquartier in zentraler Lage um das Gelände des ehemaligen Leipziger Bahnhofes aussehen kann. Das Areal hat auf Grund der zentralen Lage,,der prägenden Struktur und geschichtlichen Bedeutung das Potential, sich als ein ganz eigenes Stück Stadt innerhalb des heterogenen Geflechts der Leipziger Vorstadt zu entwickeln. Die noch vorhandenen Bauten bieten die Möglichkeit neue Nutzungen wie Ateliers, Werkstätten, gemeinschaftlich genutzte Räume und neue Wohnformen zu beherbergen und das, ohne die entstehenden Kosten eines Neubaus nach heutigem Standard. Die Nachfrage nach solchen Räumen ist hoch. Neu entwickelte Stadtquartiere nach dem Bild der „europäischen Stadt“ schaffen es heutzutage nicht, eine bezahlbare Alternative für die Gruppe der weniger wohlhabenden Bevölkerung zu sein – eine Segregation der Stadtgesellschaft scheint unabwendbar. Der Alte Leipziger Bahnhof mit seinen bereits vorhandenen Strukturen könnte dem entgegenwirken.

Es gibt bereits Pläne des Grundstückseigentümers Globus ein Einkaufszentrum auf der Fläche zu errichten. Warum haben Sie alternative Nutzungsideen entwickelt?

Natürlich waren mir die aktuellen Eigentumsverhältnisse bekannt, genauso wie die kontroversen Diskussionen. Über das Dresdner Büro Kretschmar und Dr. Borchers (Planung für Globus) gelangte ich an wichtige Quellen und die Erlaubnis von Globus das Grundstück erkunden zu dürfen. Als Student hat man noch die Freiheit, die Dinge ein wenig anders zu betrachten und etwas unbefangen an die Sache heranzugehen. Das allein ist selbstverständlich nicht der Grund, dieses Areal erneut zu betrachten. Die aktuellen Planungen sind für das Bahnhofsgelände unpassend und für eine erfolgreiche Entwicklung des Quartiers Leipziger Vorstadt nicht besonders zuträglich.

Wie realistisch sind Ihre alternativen Ideen zur Nutzung des Areals in der konkreten Umsetzung?

Obwohl gerade von einer akademischen Freiheit gesprochen wurde, könnte mein Vorschlag ein bisschen mehr sein als nur eine Vision. Es gibt viele Beispiele in anderen europäischen Städten, wo auf stillgelegten Industrieanlagen und Hafengeländen alternative Stadtideen entwickelt wurden. Allen voran Christiania in Kopenhagen (seit 1971), aber auch jüngere Beispiele wie das ExRotaprint in Berlin, das Bellevue di Monaco in München, das Gundeldinger Feld in Basel und das Kompott in Chemnitz. Der Französische Architekt Patrick Bouchain (Hôtel Pasteur, Rennes) verfolgt eine Reihe von Projekten, die zum Gemeinwohl der Stadtgesellschaft, weniger von oben als mit ihr gemeinsam, beitragen sollen. Sie alle zeigen, dass es Alternativen für die Entstehung von öffentlichem Raum gibt und eine frühe Beteiligung der zukünftigen Nutzer durchaus identitätsstiftend wirken kann. Solange also die Voraussetzungen stimmen, ist die Idee eines urbanen Quartiers auf dem Gelände des Alten Leipziger Bahnhofs durchaus realistisch.

Welche ersten Schritte sind Ihrer Meinung nach erforderlich, um alternative Nutzungsformen umzusetzen?

Dies ist natürlich nicht als eine Art von Hausbesetzung über Nacht gedacht. Entweder finden sich Menschen zusammen, die ein Nutzungskonzept entwickeln und die Räumlichkeiten nach einigen Ertüchtigungen der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen, wie es jetzt schon in der Blauen Fabrik oder in dem Verwaltungsgebäude am Bahndamm (Hanse 3) der Fall ist. Oder der jetzige Eigentümer sieht vielleicht sogar die Möglichkeit, den Bahnhof als Experimentierfeld zu nutzen und investiert selbst in ein solch zukunftsträchtiges Projekt, während die ursprüngliche Nutzung als Supermarkt entweder in kleinerer Form oder auf einem anderen Grundstück realisiert wird. Wichtig ist nur, dass es ein übergeordnetes Konzept der Nutzung gibt, in dem nach einer Anschubfinanzierung auch ein Plan zur Selbstfinanzierung erarbeitet wird – etwa mit Einnahmen durch Vermietung der Räume, Werkstattnutzung und Veranstaltungen – und die Nutzung für alle Bewohner Dresdens zur Verfügung steht. Es geht eben nicht darum, sich in der Insel des Bahnhofes abzuschotten, sondern diesen zu öffnen und zum Teil der Stadt zu erklären. Natürlich kann dies im Rahmen einer Diplomarbeit nicht bis ins Detail vorweg genommen werden. Baulich ist der erste Schritt auf jeden Fall die Sicherung der Substanz. In der Zeitschrift Bauwelt vom („Gemeinwohl Bauen“ 210, 24/2016) findet man die oben genannten Beispiele auch näher bezüglich ihrer Umsetzung erläutert.

Das Foto zeigt ein Architekturmodell vom Alten Leipziger Bahnhof in Dresden.

Modell vom Alten Leipziger Bahnhof im Maßstab 1:1000 von Maximilian Kunze. Quelle: Maximilian Kunze

Wie sehen Sie die Entwicklung des gesamten Quartiers bis hin zum Alten Schlachthof und wie ist das Areal am Alten Leipziger Bahnhof mit dieser Entwicklung verzahnt?

Die oft proklamierte Eigenständigkeit des Bahnhofsgeländes ist kein Widerspruch zur Einbindung in den Rest des Quartiers. Ganz im Gegenteil: Schon der Verlauf der alten Gleise liefert per se die Verbindung zur Leipziger Vorstadt, zum Elbradweg und damit zur Innenstadt. Dinge, die auf dem Bahnhofsgelände entstehen, sollten genauso für die Bewohner der zukünftigen Wohnbebauungen zur Verfügung stehen. Der zum Teil belassene Grünraum der anfangs beschriebenen Lichtung könnte den grünen Kern des ganzen Quartiers bilden und Spielplätze sowie andere Betätigungsfelder beherbergen. Kulturelle Synergien mit dem Gelände des Alten Schlachthofs sind durchaus wünschenswert. Nur warne ich davor, ähnlich wie im vorgestellten Masterplan das ganze Quartier und vor allem auch das Areal des Alten Leipziger Bahnhofes mit Achsen und Blöcken in städtebaulich griffige Handlungsfelder einzuteilen und somit die Spuren der Vergangenheit auszulöschen. Der Bahnhof ist in seiner Struktur und Atmosphäre einzigartig und wir würden damit eine Chance verpassen, innerhalb der Stadt ein Quartier für das Gemeinwohl zu schaffen, welchem der selbe Pioniergeist innewohnt, den die Eisenbahn zu Beginn des 19. Jahrhunderts in die Stadt trug.

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Maximilian Kunze hat seine Diplomarbeit auf der vom Entwicklungsforum Dresden organisierten Podiumsdiskussion „Dresdens Alter Leipziger Bahnhof – Ein Denkmal mit Potential“ in der Blauen Fabrik vorgestellt und wird sich auch weiterhin für eine sinnvolle Nutzung des Areals engagieren. Weitere Informationen und Kontakt: www.maximiliankunze.de

 

Wo bleibt die Denkmalsicherung am Alten Leipziger Bahnhof?

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Dresdens Alter Leipziger Bahnhof verfällt. Die denkmalgeschützten Gemäuer – teilweise ohne Dach – aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind ungeschützt jeder Witterung ausgesetzt. Gerade jetzt nagt der Schnee mit seiner Feuchtigkeit unbarmherzig an den eisenbahngeschichtlich so bedeutsamen Gebäuden. Vor diesem Hintergrund fordert die Allianz für Dresden den Eigentümer des Geländes, die Globus SB-Warenhaus Holding, dringend dazu auf, ihrer gesetzlichen Verpflichtung nachzukommen und die Gebäude zu sichern und zu schützen. Auch die Stadt, so das Bündnis, ist hier in der Pflicht, ihr völlig unverständliches Nichtstun bei der Denkmalschutzaufsicht aufzugeben.

„Ganz unabhängig von der Diskussion über ihr riesiges Warenhaus-Projekt muss die Globus Holding endlich die Gebäude des Alten Leipziger Bahnhofes wirksamer vor Wind und Wetter schützen“, fordert Jens Zander, stadtbekannter Architekt und Mitglied der Allianz für Dresden. „Die Gebäude benötigen dringend eine komplette Einhausung, wenigstens aber Notdächer. Schließlich setzen gerade jetzt im Winter Feuchtigkeit und Frost den Gebäuden besonders zu, besonders wenn demnächst die Schneeschmelze einsetzt.“

So ist das Dach des ehemaligen Empfangsgebäudes von 1857 extrem löchrig und über weite Strecken komplett eingefallen. Auch der historische Lokschuppen von 1847 hat überhaupt kein Dach mehr. Hier ist das Unternehmen Globus, welches laut Sächsischen Denkmalschutzgesetzes als Eigentümer und Besitzer eines Kulturdenkmales dieses „pfleglich zu behandeln, im Rahmen des Zumutbaren denkmalgerecht zu erhalten und vor Gefahren zu schützen“ hat, definitiv in der Pflicht.

Notdächer sind in jedem Fall ein zumutbarer Aufwand zum Erhalt des Alten Leipziger Bahnhofes“, so Zander, „und der Aufwand hält sich nun wirklich in Grenzen. Dass sich hier seit über sechs Jahren nichts tut, ist gelinde gesagt ein Skandal. Auch über die Untätigkeit der Stadt bei der Denkmalaufsicht kann man sich nur wundern. Gerade wenn man bedenkt, dass die Landeshauptstadt an anderer Stelle so viele Eigentümer zur Bewahrung ihrer Denkmäler ermahnt. Globus kann hier Gebäude verfallen lassen, um Druck für sein Projekt zu erzeugen. Ein Druck, dem eigentlich jede Grundlage fehlt, denn der Substanzschutz liegt ohnehin in der Pflicht des Eigentümers. Wir fordern deshalb die Stadt dringend dazu auf, endlich ihrer Aufsichtspflicht beim Denkmalschutz des Alten Leipziger Bahnhofes nachzukommen und erwarten von Globus einen zeitnahen und vor allem wirksamen Schutz der Gebäude vor Wind und Wetter! Wenn weiter nichts geschieht, muss die Stadt selbst aktiv werden und eine entsprechende Ersatzvornahme Globus in Rechnung stellen. Die gesetzliche Möglichkeit dazu hat sie!“

Globus-Warenhaus: Viele Fragen sind noch immer offen

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Die Diskussionen um das geplante riesige Einkaufszentrum der Globus SB-Warenholding auf dem Gelände des Alten Leipziger Bahnhofes geht unvermindert weiter. Nun behaupten Vertreter des Unternehmens im Rahmen eines Zeitungsinterviews, alle Auflagen erfüllt und alle relevanten Gutachten erbracht zu haben. In Wahrheit ist allerdings gar nichts geklärt. Noch immer gibt es keine öffentliche Auswertung der gut 370 Einwendungen gegen den Bebauungsplan für das Großvorhaben und noch immer ist keine einzige der in den zahlreichen Gutachten aufgeworfenen Fragen von Globus tatsächlich beantwortet worden. Die Fülle der Probleme mit dem Areal sind wohl auch der Hintergrund für die Suche nach einer Ersatzfläche.

Während sich in den letzten Monaten die Diskussion vor allem um eventuelle Zugeständnisse bezüglich der geplanten Verkaufsfläche sowie um eine Ersatzfläche für Globus drehte, kehrt in diesen Tagen die Debatte um das Einzelhandels-Großvorhaben zu ihren Wurzeln zurück. Beim Verfahren des vorhabenbezogenen Bebauungsplanes für das Projekt ist die Auswertung und Abwägung der gut 370 im Jahr 2014 eingegangenen Einwendungen gegen das Vorhaben noch immer nicht an die Öffentlichkeit gedrungen. „Auch auf die zahlreichen Kritikpunkte in den eingegangenen Gutachten ist Globus noch mit keinem einzigen Wort eingegangen“, konstatiert Uwe Sochor vom Unternehmerverein Pieschen und Mitglied der Allianz für Dresden. „Es gibt kritische Gutachten und Untersuchungen zum Denkmalschutz, zu den Verkehrsauswirkungen, zum Umwelt- und Naturschutz, zur Rechtmäßigkeit bezogen auf den Landesentwicklungsplan und mindestens fünf kritische zum Thema Einzelhandelsentwicklung. Lediglich ein Gutachten, bekanntermaßen von Globus selbst in Auftrag gegeben, bewertet das Projekt positiv. Wenn die Globus-Vertreter nun davon sprechen, dass alle Gutachten erbracht wurden, dann beziehen sie sich sicher nur auf das von ihnen selbst bezahlte. So kann man nicht seriös diskutieren.“

Mit der Fülle an Gutachten, mindestens zehn seit 2011 (sie liegen der Allianz für Dresden vollständig vor), gehört das Globus-Projekt am Alten Leipziger Bahnhof sicherlich zu den deutschlandweit am intensivsten untersuchten Einzelhandelsgroßprojekten. „Viele unter den 370 Einwendungen beinhalten gewichtige Argumente, die keineswegs aus der Luft gegriffen sind. Gerade die aufgeworfenen Fragen in den etwa vom Handelsverband Sachsen beauftragten Fachgutachten harren immer noch einer Antwort durch Globus. All diese Fragen muss Globus als Vorhabenträger in dem vorhabenbezogenen B-Plan-Verfahren eigentlich beantworten“, so Sochor. „Wir gehen davon aus, dass Globus festgestellt hat dass für das Areal keine rechtsicheren Antworten auf die Probleme eines solchen Monsterkaufhauses gegeben werden können und deshalb die Stadt jetzt einen neuen Standort suchen soll. Aus diesem Grund soll nun der Druck erhöht werden. Dabei war es einzig und allein die Entscheidung von Globus das Gelände zu kaufen. Für die Suche nach einer Alternativfläche nun die Stadt in die Spur zu schicken ist jedenfalls deutschlandweit einmalig.“

Die Allianz für Dresden bleibt weiterhin bei ihrer bisherigen Ablehnung der Globus-Pläne. Sie sind und bleiben in ihren Augen stadtunverträglich, schädigen den vorhandenen Einzelhandel, verschärfen die Überversorgung und verursachen eine unzumutbare Verkehrsbelastung.

Einzig ein Supermarkt von 800 m2 zur Stadtteilversorgung sieht die Allianz in der Leipziger Vorstadt als stadtteilverträglich an. Eine Verkaufsflächenobergrenze, die der Stadtrat übrigens bereits im April 2015 beschlossen hatte. Als Alternative schlägt das Bündnis für den Alten Leipziger Bahnhof seit langem eine gemischte Struktur aus kleinteiligen Geschäften, Künstlerateliers, einem Bahnhofs-Kulturcafé, Büronutzung und Wohnungen, geöffneten Bahnbögen sowie einem Radweg auf der historischen Fernbahntrasse von 1839 vor. Damit könnte, so die Initiative, das alte Bahnhofsgelände elegant zum Treffpunkt für das neue Stadtquartier Leipziger Vorstadt werden. „Architekturideen dafür gibt es jedenfalls schon einige“, so Sochor abschließend.

Podium mit Baubürgermeister zu Alternativplänen für Alten Leipziger Bahnhof

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Seit mindestens fünf Jahren ist der Alte Leipziger Bahnhof, Kopfbahnhof der ersten Fernbahnlinie Deutschlands, nun schon regelmäßig Thema in den lokalen, aber auch überregionalen Medien. Vor allem die Pläne der Globus Warenhaus Holding, der Eigentümerin des Areals, auf dem weitläufigen Gelände ein großes SB-Warenhaus einschließlich vorgelagerter Einkaufsmall und großem Parkplatz zu errichten, sorgen für intensive Debatten in der Öffentlichkeit und im Stadtrat.

Unbestritten ist das denkmalgeschützte Ensemble von technik- und kulturhistorischer Bedeutung. Die Frage ist nur, wie die Gebäude und das ehemalige Eisenbahngelände eine städtebaulich vernünftige, denkmalgerechte sowie stadtverträgliche Nutzung und Wiederbelebung erfahren können. Gibt es Alternativen zu den Globus-Plänen? Gibt es andernorts Beispiele für eine geschickte Umnutzung alter ungenutzter Bahnhofsareale? Was wäre die beste Lösung auch und gerade für die noch zu entwickelnde Leipziger Vorstadt?

Um diesen Fragen nachzugehen, hat das Entwicklungsforum Dresden kompetente Gesprächspartner zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Der Pirnaer Architekt Dipl.-Ing. Jörg Möser wird in einem einleitenden Vortrag Beispiele denkmalgerechter Umnutzung stillgelegter Bahnhöfe weltweit sowie alternative Ideen und Pläne für den Alten Leipziger Bahnhof vorstellen. Im Anschluss wird ein Podium aus namhaften Architekten und Denkmalschützern gemeinsam mit Dresdens Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain über die Zukunft des Areals diskutieren. Neben dem Bürgermeister und dem Referenten sitzen Jens Zander (Architekt, Dresden) sowie Prof. Thomas Will (Architekt, TU Dresden, Professur für Denkmalpflege und Entwerfen) mit auf dem Podium. Die Moderation übernimmt Dr. Jörg Wildoer vom Entwicklungsforum Dresden e.V.

Das Entwicklungsforum Dresden lädt herzlich ein zu:

Dresdens Alter Leipziger Bahnhof – Ein Denkmal mit Potential
Fachvortrag und Podiumsdiskussion

Montag, 28. November 2016, 19.00 Uhr

Blaue Fabrik, Eisenbahnstraße 1, 01097 Dresden
(„Grüne Villa“ auf dem Gelände des Alten Leipziger Bahnhofs)

Internet: www.entwicklungsforum-dresden.de