Podium mit Baubürgermeister zu Alternativplänen für Alten Leipziger Bahnhof

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Seit mindestens fünf Jahren ist der Alte Leipziger Bahnhof, Kopfbahnhof der ersten Fernbahnlinie Deutschlands, nun schon regelmäßig Thema in den lokalen, aber auch überregionalen Medien. Vor allem die Pläne der Globus Warenhaus Holding, der Eigentümerin des Areals, auf dem weitläufigen Gelände ein großes SB-Warenhaus einschließlich vorgelagerter Einkaufsmall und großem Parkplatz zu errichten, sorgen für intensive Debatten in der Öffentlichkeit und im Stadtrat.

Unbestritten ist das denkmalgeschützte Ensemble von technik- und kulturhistorischer Bedeutung. Die Frage ist nur, wie die Gebäude und das ehemalige Eisenbahngelände eine städtebaulich vernünftige, denkmalgerechte sowie stadtverträgliche Nutzung und Wiederbelebung erfahren können. Gibt es Alternativen zu den Globus-Plänen? Gibt es andernorts Beispiele für eine geschickte Umnutzung alter ungenutzter Bahnhofsareale? Was wäre die beste Lösung auch und gerade für die noch zu entwickelnde Leipziger Vorstadt?

Um diesen Fragen nachzugehen, hat das Entwicklungsforum Dresden kompetente Gesprächspartner zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Der Pirnaer Architekt Dipl.-Ing. Jörg Möser wird in einem einleitenden Vortrag Beispiele denkmalgerechter Umnutzung stillgelegter Bahnhöfe weltweit sowie alternative Ideen und Pläne für den Alten Leipziger Bahnhof vorstellen. Im Anschluss wird ein Podium aus namhaften Architekten und Denkmalschützern gemeinsam mit Dresdens Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain über die Zukunft des Areals diskutieren. Neben dem Bürgermeister und dem Referenten sitzen Jens Zander (Architekt, Dresden) sowie Prof. Thomas Will (Architekt, TU Dresden, Professur für Denkmalpflege und Entwerfen) mit auf dem Podium. Die Moderation übernimmt Dr. Jörg Wildoer vom Entwicklungsforum Dresden e.V.

Das Entwicklungsforum Dresden lädt herzlich ein zu:

Dresdens Alter Leipziger Bahnhof – Ein Denkmal mit Potential
Fachvortrag und Podiumsdiskussion

Montag, 28. November 2016, 19.00 Uhr

Blaue Fabrik, Eisenbahnstraße 1, 01097 Dresden
(„Grüne Villa“ auf dem Gelände des Alten Leipziger Bahnhofs)

Internet: www.entwicklungsforum-dresden.de

Blaue Fabrik: So geht Alter Leipziger Bahnhof!

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Blaue Fabrik2 Foto Blaue Fabrik

An diesem Wochenende kommt Kultur an die Eisenbahnstraße in der Leipziger Vorstadt: Der Kulturverein Blaue Fabrik e.V. feiert am 2. und 3. September mit einem umfangreichen Festprogramm aus Kunst, Jazzmusik und Tanz seinen Umzug in die sogenannte „Grüne Villa“ direkt neben dem Eingangsgebäude des Alten Leipziger Bahnhofes. Wir begrüßen den Umzug des Kulturvereins ausdrücklich und loben den Mut der Vereinsverantwortlichen, in die bisher in den Abendstunden eher stille östliche Leipziger Vorstadt zu ziehen. Mehr noch: Der Schritt der Kulturaktiven rund um Geschäftsführer Holger Knaak ist ein erster Schritt für eine gemischte Nutzung des Alten Leipziger Bahnhofes. Ein Schritt ganz im Sinne einer vernünftigen Entwicklung der Leipziger Vorstadt als neues Stadtquartier, wie es das Rathaus schon lange plant.

Bereits seit Anfang Juni werkelt die Blaue Fabrik an ihrer neuen Heimat, der „Grünen Villa“ auf der Eisenbahnstraße 1. Einige Freiluftkonzerte fanden im Gartenbereich des Gebäudes bereits statt. Nach dem sehr versteckten und auch engen Übergangsdomizil in einem Gebäude hinter der Post an der Königsbrücker Straße kann der Kulturverein nun satte 800 m2 Fläche für sein Kulturengagement nutzen. „Mit der Blauen Fabrik erfährt der Alte Leipziger Bahnhof endlich die kleinteilige Nutzung, die wir immer gefordert haben“, freut sich Uwe Sochor vom Unternehmerverein Pieschen. „Wenn das eigentliche Bahnhofsgebäude nebenan mit Hilfe von Denkmalschutzfördermitteln etwa in ein Kulturcafé verwandelt und auch alle weiteren historischen Gebäude saniert und genutzt werden, dann kann ein Stadtteilzentrum aus Kleingewerbe, Büros und Wohnungen entstehen. Wenn also die Nutzung dem Gebäudebestand angepasst wird und eben nicht ein riesenhaftes Einkaufsland für Autofahrer alles platt macht, dann sind wir auf dem richtigen Weg. Die Blaue Fabrik ist hier Pionier!“

Dreizehn Ateliers und Probenräume hat die Blaue Fabrik künftig in der Grünen Villa im Angebot, die Vereinsmitglieder nutzen und die unter anderem an Jazzbands vermietet werden. Ein „Projektraum“ für Kurse, Workshops und Nutzungen aller Art sowie ein heller „Lichthof“ mit 15 Meter Deckenhöhe und 80 m2 Nutzfläche stehen ebenfalls zur Verfügung. Hier werden Konzerte stattfinden. Außerdem bietet die Blaue Fabrik in Kürze ein Atelier inklusive kleiner angeschlossener Wohnung für externe Künstler als „Art in Residence-Ateliers“ an.

Am 2. und 3. September feiert die Künstlervereinigung offiziell ihren Umzug zum Alten Leipziger Bahnhof mit einem vielfältigen Kulturprogramm. Heute gibt es ab 19.00 Uhr Free-Jazz mit Schlagzeug und Saxophon und ab 21.00 Uhr dann Klezmer, Chanson und Folk mit „BaranButz“.

„Die Jazzkonzerte und Kunstausstellungen in der Grünen Villa werden dem Areal Leben einhauchen“, so Sochor. „Kombiniert mit den Kulturhotspots an der Gothaer Straße wie dem Puschkin-Club, dem Alten Schlachthof, dem Club My House und dem Club Neu könnte die Blaue Fabrik einen perfekten Rahmen bilden für einen neuen Stadtteil aus Wohnen und Arbeiten entlang der Leipziger Straße. Welche andere Kulturstadt hat noch so ein großes und auch geschichtsträchtiges Areal mit so viel Potential? Nur eins fehlt dafür noch: Der Stadtrat muss den städtebaulich irrsinnigen Globus-Plänen endlich per Aufhebungsbeschluss ein Ende setzen!“

Über 400 neue Wohnungen wenn Globus klein bleibt

Wohnen LeipzigerVorstadt-1-Timm Brennecke Procom Foto Procom
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Es tut sich was in der Leipziger Vorstadt. Während derzeit über den neuen Masterplan für den Stadtteil diskutiert wird, werden die Vorhaben zweier großer Grundstückseigentümer konkret. Einer dieser Eigentümer ist die Procom Invest GmbH & Co KG aus Hamburg, der ein etwa 40.000 m2 großes Grundstück zwischen dem Alten Schlachthof und Alten Leipziger Bahnhof gehört. Wir haben mit Timm Brennecke, Assistent der Procom-Geschäftsführung, über die Zukunft des Areals und Viertels gesprochen. 

  1. Sie haben ein großes Grundstück gleich neben dem Alten Schlachthof in der Leipziger Vorstadt. Was genau plant die Procom auf diesem Grundstück?

Wir brauchen den Dresdnerinnen und Dresdnern nicht lange die Vorzüge Ihrer Leipziger Vorstadt erklären. Deswegen in aller Kürze: Wir planen ein Wohnareal, welches sich in Art und Maß der Bebauung den örtlichen Gegebenheiten anpasst und sich an den Erfordernissen des Wohnungsmarktes orientiert. Das beinhaltet auch familiengerechte Wohnformen.

  1. Wie konkret sind die Planungen und wann könnte Baubeginn sein für das neue Wohnareal?

Eine konkrete Planung, die unsere Einschätzung einer angemessenen Bebauung widerspiegelt, liegt vor. Allerdings wird an dieser Idee nur weitergearbeitet werden können, wenn das Globus-Bauvorhaben durch einen Aufhebungsbeschluss des Stadtrates zu den Akten gelegt wird.

Als traditionsreiches Familienunternehmen sind wir schnell handlungsfähig, was wir in einer Vielzahl von Projekten regelmäßig beweisen. Gerne auch in Dresden.

  1. Oft wird behauptet, niemand würde direkt neben einer Konzertlocation wie dem Alten Schlachthof wohnen wollen. Wie sehen Sie das?

Das Thema muss man doch differenzierter betrachten, meinen Sie nicht? Zuerst einmal kann festgehalten werden, dass eine mögliche Lärmproblematik nur einen kleinen Teil des Areals betrifft. Immerhin hat unser Grundstück eine Gesamtfläche von ca. 40.000 m2. Dass in Nachbarschaft zum Alten Schlachthof in Hinblick auf gesunde Wohn- und Lebensverhältnisse andere Maßnahmen im passiven Lärmschutz ergriffen werden müssen, ist selbstverständlich. Darüber braucht es keinerlei Diskussion. Es gibt aber darüber hinaus auch planerische Gestaltungsmöglichkeiten, die Nutzung auf dem Alten Schlachthof mit einem lebendigen Wohnareal in Einklang zu bringen.

Und: Wenn Ihre Leser und Sie Hamburg, unsere Heimatstadt, kennen, waren Sie vielleicht auch schon einmal im beliebten Schanzenviertel. Hier herrscht buntes, geselliges Treiben und es ist gewiss nicht leise. Trotz oder gerade wegen der kulturellen Infrastruktur ist das Viertel auch als Wohnstandort mittlerweile sehr beliebt. Beispiele wie dieses finden Sie doch in nahezu allen Städten.

Wir sehen somit den Alten Schlachthof nicht als Störquelle, sondern vielmehr als Teil einer urbanen Lebenskultur, für die die Leipziger Vorstadt auch steht.

Wohnen LeipzigerVorstadt-2-Foto Medienkontor

  1. Groß debattiert wird ja das Globus-Vorhaben am Alten Leipziger Bahnhof mit 12.000 m2 Verkaufsfläche. Wie steht die Procom zu diesen Plänen?

Das Vorhaben von Globus steht der Entstehung von Wohnraum auf unserem Grundstück klar entgegen. Der zu- und abfahrende Verkehr einer Stellplatzanlage für über 1.000 PKW ist enorm, hinzu kommt der Anlieferverkehr. An unserer Position hat sich also nichts geändert.

Das heißt: Mit der vorgestellten Variante 2 wird es auf unserem Grundstück keine Wohnungen geben.

  1. Stadtplanungsamtschef Szuggat gibt die Zahl möglicher Wohnungen im Areal zwischen Leipziger Straße und Bahntrasse – wenn Globus nicht kommt – mit 500 an. Ist diese Zahl zu kurz gegriffen und falls ja warum?

Die Anzahl von 500 Wohnungen für das gesamte Plangebiet ist aus unserer Sicht deutlich zu kurz gegriffen. Schaut man sich einmal die Leipziger Vorstadt an, fällt schnell auf, dass es sich um einen urbanen, städtebaulich recht hochverdichteten Raum mit einer überwiegenden Blockrandbebauung handelt. Das Potenzial unseres Grundstücks für den Wohnungsmarkt lässt sich leicht überschlägig an einem Beispiel errechnen: Bei einer angenommenen überbauten Grundstücksfläche von lediglich 30 % und vier Vollgeschossen errechnet sich alleine für unser Grundstück ein Potenzial von 500 Wohnungen. Aus diesem Grund ist die Zahl tatsächlich zu kurz gegriffen.

  1. Die Stadt möchte nach dem überarbeiteten Masterplan viele Grünflächen in der Leipziger Vorstadt realisieren. Wie sehen sie das als Investor?

Grünflächen gehören natürlich zu einem lebenswerten Wohnumfeld, auch in einem urbanen Stadtteil. Von daher steht dies unserer Interessenslage per se nicht entgegen. Allerdings muss das Maß überdacht werden. Das Grünflächendefizit des Stadtteils lässt sich schließlich nicht allein auf einem Grundstück ausgleichen, zumal dies kein öffentlich zugänglicher Park o.ä. wäre. Der Nutzen für die Bewohner der Leipziger Neustadt ist aus unserer Sicht daher fraglich. Der gestiftete Nutzen durch eine Quartiersaufwertung mit zusätzlichem bezahlbarem Wohnraum dürfte für die Allgemeinheit deutlich gewichtiger sein.

  1. Wie sehen Sie die Zukunft der Leipziger Vorstadt? Weist der überarbeitete Masterplan da in die richtige Richtung (wenn ja welche Variante) und kann er alle Interessen unter einen Hut bringen?

Die Leipziger Vorstadt bietet Vieles, was einen guten Wohnstandort im innerstädtischen Raum ausmacht. Die Wege sind kurz, die Anbindung an den ÖPNV ist hervorragend und die nahegelegene Elbe bietet einen hohen Naherholungswert. Die Chancen, dass die Leipziger Vorstadt im Bereich des Masterplangebiets aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt wird, stehen also grundsätzlich gut. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass auch die Interessenslagen der Eigentümer hinreichend Berücksichtigung finden. Das ist mit dem momentanen Planungsstand bei keiner Variante aus unserer Sicht zufriedenstellend gelöst. Ein wichtiges Signal als Startschuss für die Weiterentwicklung des Plangebiets ist zudem erst einmal der von vielen Seiten erwarte Aufhebungsbeschluss für die aktuelle Globus-Planung, mit dem die Variante 02 des Masterplanes obsolet werden würde.

Zusammengefasst: Wird später baurechtlich keine wirtschaftliche Entwicklung der Grundstücke möglich, so unbefriedigend es für alle Beteiligten klingen mag, wird der Masterplan nur eine Wunschvorstellung mit vielen guten Ansätzen bleiben. Dies gilt es nun von allen Seiten konstruktiv zu verhindern.

 

Das Interview führte Edwin Seifert (Allianz für Dresden)

Jetzt über Zukunft der Leipziger Vorstadt entscheiden!

am 10.08.13 : Luftbild Dresden
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Wie geht es weiter mit der Leipziger Vorstadt? Darüber zerbrechen sich aktuell nicht nur Dresdens Stadtplaner und Politiker die Köpfe – auch die Bürger beteiligen sich rege an den Diskussionen. Die gut besuchte Bürgerversammlung zum neuen Masterplan Leipziger Vorstadt im Ballhaus Watzke hat es erneut gezeigt: Das riesenhafte Globus-Vorhaben wird von den meisten Dresdnern abgelehnt!

Jetzt heißt es: Flagge zeigen und erneut dem Stadtplanungsamt eindeutig die Meinung sagen. Die Untervariante 2 des Planes , die das unveränderte Globus-Vorhaben beinhaltet und damit dem Stadtratsbeschluss vom 16. April 2015 widerspricht (maximal 800 Quadratmeter Verkaufsflächen-Projekte im Masterplangebiet) darf nicht unwidersprochen bleiben.

Schicken Sie also Ihre Einwände, Argumente und Ideen, Visionen für das Gebiet zwischen Erfurter Straße, Elbe und den Gleisanlagen an das Stadtplanungsamt. Die Frist dafür wurde bis zum 22. April verlängert. Die E-Mail-Adresse lautet: 

bauleitplanung-neustadt@dresden.de

Um es Ihnen leicht zu machen haben wir einige Argumente vorbereitet, die gerne übernommen werden können.

Argument 1: Wohnungen im Grünen

Park schafft Stadt: Innenstadtnahes Wohnen im Grünen sollte in der Leipziger Vorstadt endlich Realität werden! Eine Durchgrünung geht aber nur wenn das riesige Globus-Vorhaben mit seinen 1050 Parkplätzen nicht kommt!

Die Leipziger Vorstadt muss zu einem attraktiven Stadtteil mit hohem Wohnanteil entwickelt werden (Procom plant 370 und USD 350 Wohneinheiten). Das geht nur wenn das Globus-Großprojekt nicht kommt. Nur der Masterplan in den Varianten 1 und 1 a garantiert dies, denn er legt den Schwerpunkt auf die für Dresden so wichtige Erhöhung des Wohnungsbestandes.

Der Grundstückseigentümer Procom baut nur Wohnungen wenn Globus nicht kommt. Globus würde das Gebiet stattdessen endgültig zu einem reinen Gewerbegebiet machen. Wohnentwicklung wäre zumindest nördlich der Leipziger Straße nicht mehr möglich. Wer hat schon Lust neben einem so großen Globus-Markt mit derartig vielen Parkplätzen und Anlieferverkehr zu wohnen?

In der Bürgerversammlung im Ballhaus Watzke hieß es dass in Variante 1 und 1a circa 500 Wohnungen möglich seien und bei der Globus-Variante 2 rund 350. Dieser geringe Unterschied ist sehr verwunderlich, sollen doch in Variante 2 rund 10 Hektar mit einem SB-Warenhaus und einem riesigen Parkplatz zugebaut werden. Das kann nicht stimmen.

Die Leipziger Vorstadt ist ein attraktiver Wohnstandort. Die Wohnungsbauvorhaben der USD Immobilien GmbH (Hafencity entlang des Neustädter Hafens) sowie von der Max Wiessner Baugeschäft GmbH im Carrée Hafenstraße zeigen das. Ein großes Wohngebiet ist auch dem Areal nördlich der Leipziger Straße zu wünschen. Globus würde dies zunichte machen.

Argument 2: Alter Leipziger Bahnhof

Ziel sollte sein, den Alten Leipziger Bahnhof intelligent zu nutzen. Eine gemischte Struktur aus kleinteiligen Geschäften, Künstlerateliers, Bahnhofs-Kulturcafé, Büronutzungen, Wohnungen und geöffneten Bahnbögen könnte das Areal elegant zum Treffpunkt für das neue Stadtquartier Leipziger Vorstadt machen. Globus selbst könnte mit einem kleinen Nahversorgungsmarkt auf dem Gelände präsent sein und mit den neuen Wohn-, Büro- und Geschäftsgebäuden die Sanierung des Alten Leipziger Bahnhofs quersubventionieren. Die Masterplan-Varianten 1 und 1a würden diesem Konzept am ehesten entsprechen.

Argument 3: Historie

Wie wäre es mit einem Fahrradweg, der alten Fernbahntrasse von 1839 folgt und am Alten Leipziger Bahnhof endet? Beginnend am neuen Schulzentrum Gehestraße könnte der Radweg an der Alten Pferdebörse entlang und zwischen alter Markthalle und Alten Schlachthof durch ein neues Wohngebiet (Procom-Grundstück sowie hinterer Bereich des Globus-Grundstückes) führen und dann einen Abzweig Richtung Elbradweg (zwischen alten Zollgebäuden und Tankstelle) haben.

Das Gebiet braucht zwei Denkmäler: Einmal in Erinnerung an die erste Deutsche Fernbahnlinie Leipzig-Dresden 1839 und eine Gedenkstätte in Erinnerung an die Deportationszüge während der Nazi-Zeit, die am Alten Leipziger Bahnhof losfuhren. Beides benötigt ein passendes Umfeld. Ein riesenhafter Globus mit riesigen Parkplatz ist dies sicher nicht. Also: Masterplan-Varianten 1 und 1a.

Argument 4: Einzelhandel

Im April 2015 hat sich die Stadtratsmehrheit gegen ein riesiges Warenhaus auf der Fläche des Alten Leipziger Bahnhofs ausgesprochen und beschlossen, dass im Masterplangebiet Einzelhandelsprojekte maximal 800 Quadratmeter Verkaufsfläche haben dürfen. Das ist vernünftig und diese Linie muss beibehalten werden. Schließlich haben wir bereits genug Handelsflächen in Dresden. Am mangelnden Erfolg des Edeka-Simmel am Albertplatz wir deutlich, dass der Markt mehr als gesättigt ist.

Dresden ist mit Einzelhandelsfläche überversorgt. Mit 1,7 Quadratmeter pro Einwohner stehen wir bundesweit an der Spitze. Ein riesenhafter Globus in der Größe von zehn Aldi-Märkten ist da völlig fehl am Platze und würde unter anderem das mühsam gehegte Ortsteilzentrum Pieschen rund um die Bürger- und Oschatzer Straße endgültig zerstören.

Argument 5: Verkehr

Globus würde unheimlich viel zusätzlichen Verkehr in das Gebiet bringen und die schon sehr belastete Leipziger Straße endgültig zu einer Staustrecke machen. Da Globus das ganze Stadtgebiet ansprechen möchte, würde der Verkehr aus allen Richtung in die Eisenbahnstraße drängen. Neue Ampelanlagen würden das Problem nicht lösen.

Argument 6: Gutachten

Mindestens neun Gutachten liegen mittlerweile der Stadt zum Globus-Vorhaben vor. Alle Gutachten, bis auf das von Globus finanzierte, sprechen sich aus unterschiedlichen Blickwinkeln gegen das Projekt aus. Einzelhandelsexperten, Stadtplaner, Verkehrsplaner, Denkmalschützer sehen unisono wesentlich mehr Nachteile als Vorteile bei dem Vorhaben. Man kann sich dieser Expertenmeinung nur anschließen. Auch das Stadtplanungsamt und der Stadtrat sollten dies endlich tun.

Argument 7: Stadtentwicklung

Die Stadtentwicklungsplanung in Dresden will sich am Leitbild der „Europäischen Stadt“ orientieren. Erreicht werden soll insbesondere eine kompakte Stadt mit einem funktionsfähigen und attraktiven Stadtzentrum sowie vielen lebendigen Stadtteilzentren, sprich einer bunten Stadtkultur. Die Masterplan-Variante 2 die das Globus-Großprojekt ermöglicht, widerspricht all diesen Zielen.

Baubürgermeister Schmidt-Lamontain hat völlig recht: „Das geplante Globus-Projekt ist für eine Großstadt problematisch. Ein solch großer Gemischtwarenladen gehört nicht in das Stadtzentrum. Dresden hat als Oberzentrum einen sehr ausdifferenzierten Einzelhandel, der sich mit diesem Angebot nicht verträgt.“

Wollen wir wirklich diese attraktive und innstadtnahe Lage für ein riesiges Einzelhandelsvorhaben verschenken? Eine Nutzung die nicht nur angesichts der Einzelhandelsflächenüberversorgung überflüssig, sondern das Areal spätestens ab 20 Uhr in eine tote Parkplatzwüste verwandeln würde.

Bürgerversammlung: Globus würde bis zu 200 neue Wohnungen verhindern

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Erstaunlich gut besucht war die Bürgerversammlung zum neuen Masterplan für die Leipziger Vorstadt gestern Abend im Ballhaus Watzke. Weit über 150 Dresdner kamen in den Ballsaal. Während beim Thema Hochwasserschutz die Planungsfortschritte zumeist wohlwollend aufgenommen wurden, sorgte das Thema Globus erneut für viel Diskussion, tauchte doch das Großvorhaben in einer Untervariante des Masterplanes auf.

Dies sorgte für breites Unverständnis, zumal im April 2015 der Stadtrat eine Obergrenze von 800 m2 Verkaufsfläche für Einzelhandelsprojekte für das Gebiet beschlossen hatte. Auch wenn sich Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen und Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain unisono gegen das riesenhafte Projekt ausgesprochen haben, soll der Stadtrat die Entscheidung treffen: Masterplan mit Groß-Globus oder eben ohne.

Interessant war, dass bei einer Realisierung des Einzelhandelsgroßprojektes mit insgesamt 12.000 m2 Verkaufsfläche in der direkten Nachbarschaft keinerlei Wohnungen realisiert werden könnten. Stadtplanungsamtschef Steffen Szuggat sprach von einem Weniger an Wohnungen von bis zu 200 Wohneinheiten. Würde das Großvorhaben nicht realisiert, könnten nördlich der Leipziger Straße zwischen Alten Schlachthof und Alten Leipziger Bahnhof dagegen gut 500 Wohnungen gebaut werden. Käme Globus, wären es nur 300 bis maximal 350, so Szuggat. Wenn ein neuer Stadtteil mit Wohnungen entstehen soll, dann nur ohne den riesigen Globus, so der Eindruck vieler Teilnehmer der Bürgerversammlung. Ein Aspekt der vor allem für die LINKE im Dresdner Stadtrat von Bedeutung sein dürfte. Sind doch einige Stadträte dieser Fraktion noch immer nicht vollständig von der Globus-Projektidee abgerückt.

Sollte der Masterplan ohne den Groß-Globus im Herbst durch den Stadtrat beschlossen werden, so wäre der Weg frei den entsprechenden „Vorhabenbezogenen Bebauungsplan“ ebenfalls per Stadtratsbeschluss aufzuheben. Wir drücken die Daumen!

Wie weiter mit der Leipziger Vorstadt?

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Globus? Hafencity, Club-Szene, Töberich ….
Kommen Sie und diskutieren Sie mit!

Bürgerversammlung mit Baubürgermeister und Umweltbürgermeisterin
Montag, 7. März 2016 um 17.00 Uhr
Ball- und Brauhaus Watzke, Kötschenbroder Straße 1

Am 7. März laden Dresdens Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain sowie Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen interessierte Dresdner zur Diskussion über die künftige Gestalt der Leipziger Vorstadt. Offiziell geht es bei der Bürgerversammlung ab 17.00 Uhr im Ballsaal des Ball- und Brauhauses Watzke um die Neufassung des Masterplanes Leipziger Vorstadt. Der städtebauliche Rahmenplan soll nach dem Willen des Stadtrates überarbeitet werden. Das Gebiet beiderseits der Leipziger Straße zwischen Bahntrasse und Alexander-Puschkin-Platz – teils genutzt, teils Brache – ist eine begehrte Lage und hat in der Vergangenheit schon für zahlreiche Debatten gesorgt: Globus, Töberich-Gelände, Hafencity, um nur einige zu nennen. Die Allianz für Dresden plädiert für eine durchdachte Entwicklung mit einem gesunden Nutzungs-Mix, aber ohne überdimensionierter Globus Warenhaus-Einkaufs-Mall. Schließlich lässt sich der Alte Leipziger Bahnhof viel kreativer nutzen. Eine Mischung aus kleinen Geschäften – auch ein kleiner Globus à la Saarbrücken („fridel“) wäre denkbar – privaten Kultureinrichtungen, Künstlerateliers, Büros und Wohnungen würde das Gelände in ein lebendiges Areal verwandeln.

Informationen der Stadt dazu unter: www.dresden.de/leipzigervorstadt

 

Plan B für Alten Leipziger Bahnhof: Globus kann auch klein!

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Die Globus SB-Warenhaus Holding hält unverdrossen an ihren Plänen eines riesigen Einkaufsareals mit 12.000 m2 Verkaufsfläche und über 1.000 Parkplätzen am Alten Leipziger Bahnhof fest. Städtebauexperten, Stadt- und Verkehrsplaner sind sich gleichwohl einig: Das Vorhaben verträgt sich überhaupt nicht mit einer durchdachten und gesunden Stadtentwicklung. Dabei könnte das Areal mit einer gemischten Struktur aus kleinteiligen Geschäften, Künstlerateliers, einem Bahnhofs-Kulturcafé, Büronutzung und Wohnungen, geöffneten Bahnbögen sowie einem Radweg auf der historischen Fernbahntrasse von 1839 ganz elegant zum Treffpunkt für das neue Stadtquartier Leipziger Vorstadt werden. Globus selbst könnte mit einem kleinen Nahversorgungsmarkt auf dem Gelände präsent sein und mit den neuen Wohn-, Büro- und Geschäftsgebäuden die Sanierung des Alten Leipziger Bahnhofs quersubventionieren. Dass Globus das kann, zeigt sein kleiner „friedel“-Markt in Saarbrücken, eröffnet im April 2015.

Dass Globus auch kleine Nahversorgungsmärkte betreiben kann, zeigt der im April 2015 in Saarbrücken eröffnete „fridel“-Markt. „Der neue Kleine von Globus“ der als „Ihr neuer Nachbar“ beworben wird, ist ein Lebensmittelmarkt mit integriertem Restaurant und hat insgesamt 800 m2 Verkaufsfläche, wobei die Gaststätte davon 350 m2 einnimmt. Der Markt in Saarbrücken ist auch bei zahlreichen Dresdner Stadträten ein Begriff. Globus hat also Alternativen. Kombiniert mit neuen Wohn-, Geschäfts- und Bürogebäuden ließe sich ein gesundes kleinteiliges Stadtviertel etablieren, welches zudem Vorhandenes wie die Konzert- und Partymeile rund um die Gothaer Straße und die bereits jetzt vorhandene Wohnnutzung in den alten Zollgebäuden wunderbar integrieren kann.

Ein neuer Investor wäre nicht unbedingt nötig. Ein solcher Plan B lässt sich leicht umsetzen, wenn man nur will. Die Allianz für Dresden ruft daher Stadtverwaltung und Stadträte dazu auf, die Weichen für das Areal endlich richtig zu stellen.

„Das Gelände gleich hinter dem Bahnhof Neustadt hat etwas Besseres verdient als einen weiteren riesigen Shopping-Tempel mit einer Parkplatzwüste“, bekräftigt Jens Heinrich Zander, stadtbekannter Architekt und Mitglied in der Allianz für Dresden. „Zudem wäre es ein völlig falsches Signal für den Rest der Leipziger Vorstadt, den die Stadt zu einem gemischten Stadtteil aus Kultur und Wohnen sowie Gewerbe entwickeln will. Mit Globus in der geplanten Form würde kein Investor mehr die in der Stadt so dringend nötigen Wohnungen zwischen Leipziger Straße und der kaum genutzten Nebenstrecke der Bahn bauen.“